- Artikel-Nr.: 53177
KONVOLUT / SAMMLUNG Aufzeichnungen zum Leben und zur Politik des deutschen Reichskanzlers Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1819-1901).
Zus. ca. 30 Bl., darunter wohl auch autographe Dokumente von Reichskanzler Bernhard von Bülow (1849-1929). Dat. (nach) 1897 – nach 1950. 4º (in verschied. Größen).
Historisch bedeutende, wohl für eine (geplante?) Memoiren-Pubklikation Bülows zusammengetragene Dokumente von teils recht interessantem und unbekanntem Inhalt über die Endphase der Regierung seines Vorgängers als Reichskanzler:
Ein maschinenschriftliches Dokument mit ca. 40 zusammengefügten Ausschnitten aus tagebuchartigen Aufzeichnungen, in neuerer Zeit aufgeklebt auf 5 Blätter. Im Typoskript sind zahlreiche Wörter und Satzteile ausgelassen und von Hand ergänzt worden, sowie Korrekturen eingearbeitet, vielleicht als Druckvorlage gedacht, beginnend mit dem 30. Januar 1897. Es wird ein interner Einblick in politische Entscheidungen gegeben, garniert mit vielen privaten Begebenheiten und Anekdoten (z. B. ein "vorgeschrittener Sozialist" mit Sektflasche in der Philharmonie, im Gespräch mit Grafen, Redakteuren und Staatsbeamten – etwas "sehr Gemüthliches"), ebenso interessante kulturpolitische Notizen, etwa über die geplante Erbauung einer Säulenhalle gegenüber dem Brandenburger Tor: "Der Kaiser war ganz von selbst auf den vortrefflichen Gedanken gekommen, Adolf Hildebrand zu beauftragen, Entwürfe hierfür zu fertigen. Eine Skizze des Kaisers lag vor." Weiterhin politische Hintergründe zu Konflikten zwischen Kaiser Wilhelm, dem Reichskanzler und Bismarck ("Der Besuch des Fürsten Hohenlohe bei Bismarck ist auf längere Zeit unmöglich geworden"). Die letzten Aufzeichnungen stammen vom 22. Mai 1897 und betreffen unter anderem den Umgang mit Bayern und der bayerischen Armee sowie diverse Ränke und Intrigen.
Ein handgeschriebener Nachruf (erster Teil von wahrscheinlich zwei) auf 17 einseitig beschriebenen Blättern (wohl von Bülows eigener Hand). – Weiterhin zwei Typoskripte "Angaben über Bülow-Stricker" (nach 1950) und ein kleines Blatt mit Auszügen aus dem "Journal von Hohenlohe" – Ein Typoskript "Zum Tode von Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst" mit dem Text des vorgenannten Nachrufs, ergänzt um Zitate aus der Literatur (nach 1950). – Kenntnisreiche Aufzeichnungen aus dem engsten Umfeld des Reichskanzlers, mit Sicherheit von seinem Nachfolger Bernhard von Bülow, der ab 1897 Staatssekretär des Auswärtigen war und prägend für die späte Regierungszeit Hohenlohes gewesen ist. – Typoskripte tls. mit Randausrissen (Buchstabenverlust), leicht gebräunt, Gebrauchsspuren.