- Artikel-Nr.: 45100
Eigenhändiger Brief (2 S. gr. 4°) mit Ort, Datum, Unterschrift signiert z.Zt. Ivenack, Stavenhagen 8.VII.1919 - betr. AUSLIEFERUNG KAISER WILHELM II. nach Kriegsende 1. Weltkrieg an die Siegermächte. (Der Brief nimmt Bezug auf das vorangehende Schreiben vom gleichen Tag an Graf Montgelas !)
- gerichtet an den General der Artillerie und ehemaligen Kriegsminister Hermann von Stein (1854-1927).
Auf dem Umschlag Anmerkung des Empfängers "Graf Waldersee. betr. Auslieferung des Kaisers."
1919 verlangten die Entente-Mächte die Auslieferung von Kaiser Wilhelm II. als Kriegsverbrecher; Königin Wilhelmina der Niederlande gewährte ihm jedoch Asyl in Doorn; das Gesuch um Auslieferung wurde erst im Januar 1920 abgelehnt.
Einem parallel angebotenen Schreiben von Max Graf von Montgelas an Hermann von Stein zufolge geht es bei der Erklärung darum, sich hinter den Kaiser zu stellen, und wenn dieser wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden sollte, sie sich freiwillig vor den selben Gerichtshof stellen wollen.
Datiert "z.Zt. Ivenack b. Stavenhagen Mecklenburg, 8. Juli 1919."
Georg von Waldersee hielt sich oft im Schloss Ivenack auf (er starb auch 1932 dort); seine Tochter Magdalena von Waldersee (1893-1945) heiratete den Schlossherrn Albrecht (Adolf Lebrecht Helmuth) Freiherr von Maltzahn, Graf von Plessen (* 1891) und wurde nach dem Eimarsch der Roten Armee von diesem dort erschossen.
Transkription: "Hochverehrer Herr General, Eurer Exzellenz gestatte ich mir Folgendes sehr ergebenst mitzuteilen. Heute erhielt ich hier den einliegenden Brief des Generals Graf Montgelas mit den dazu gehörigen Entwürfen einer Erklärung.
Ich schicke voraus daß mir Grf. Montgelas nur aus einer flüchtigen Begegnung bekannt ist. Über seine Haltung noch während des Krieges hörte ich verschiedene für mich unkontrolierbare eigenartige Erzählungen.
Immerhin steckt in seiner jetzigen Anregung ein guter Kern und ich glaube mich der Mitwirkung unter gewissen Umständen nicht entziehen zu können. Da es sich aber hier um eine gemeinsame Erklärung handeln soll möchte ich einen Schritt nicht tun ohne in vollem Einvernehmen mit Ihnen als dem Ältesten und mit mir dem Eingeweihtesten.
Es wird m.E. zu erwägen sein wie weit man den Kreis der Unterzeichner zieht. O.9.II {?} war an{?} ja an den fraglichen Dingen herzlich wenig beteiligt. Da nun Montgelas das Bedürfnis hat mit aufzutreten müßte m.E. General von Kuhl [wohl = General der Infanterie Hermann von Kuhl, 1856-1958?] auch Kenntniß erhalten und gefragt werden.
Ich lege eine Abschrift meiner Antwort an Montgelas bei aus der Euer Exzellenz sehen wollen welche Stellung ich ihm gegenüber eingenommen habe. Sollten Sie dich der Erklärung anschließen, eventuell dem Entwurf den ich unterschrieben habe, so bitte ich von dieser meiner Unterschrift Gebrauch zu machen. Auch wenn Sie der Sache eine andere Redaktion geben sollten, die im Wesentlichen denselben Sinn hätte, stelle ich Euerer Exzellenz meine Unterschrift hiermit zur Verfügung.
Indem ich hoffe daß es Ihnen so gut gehen möge wie in diesen trüben Zeitläuften möglich, bin ich mit vorzüglichster Hochachtung und bestem Gruß Euerer Exzellenz sehr ergebener Waldersee.
7 Anlagen.
Nachschrift. Ich bitte um gelegentliche Rückgabe des Montgelas'schen Schreibens. W."
Umfang: 2 von 4 Seiten beschrieben (28,5 x 21,9 cm).
Geschrieben auf kräftigem Papier (mit Wasserzeichen "DIAMANT").
Gelaufen als Einschreiben.
Beiliegend Umschlag (18 x 11,6 cm), adressiert an den General der Artillerie Von Stein, Lehnin i.d.Mark.
Poststempel Berlin, 12.7.19, Eingangsstempel Lehnin (vom selben Tag?) und zwei Briefstempel der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabs.
Zustand: Brief etwas gebräuint und mit kl. Eckknick, Umschlag mit kleineren öffnungsbedingten Einrissen. Bitte beachten Sie auch die Bilder!
Bilder

















TRIXUM: Mobil-optimierte Auktionsvorlagen und Bilder-Hosting
Über Georg von Waldersee und v. Stein (Quelle: wikipedia):
Georg Friedrich Wilhelm Graf von Waldersee (* 1. September 1860 in Brandenburg an der Havel; † 7. September 1932 in Ivenack) war ein preußischer Generalleutnant.
Leben
Herkunft: Er war der Sohn von Georg von Waldersee (1824–1870) und dessen Ehefrau Laura, geborene von Knoblauch (1836–1904) sowie ein Neffe des preußischen Generalfeldmarschalls und Generalstabschefs Alfred von Waldersee.
Militärkarriere: Im Verlauf seiner Militärkarriere war Waldersee am 22. April 1905 Stabschef von Moritz von Bissing beim VII. Armee-Korps in Münster. Ende Januar 1907 wurde er nach Ludwigslust in das 1. Großherzoglich Mecklenburgische Dragoner-Regiment Nr. 17 versetzt. Ab 1909 fungierte Waldersee als Regimentskommandeur. Zum 1. April 1911 folgte seine Ernennung zum Kommandeur der 3. Kavallerie-Brigade sowie am 22. März 1912 seine Beförderung zum Generalmajor.
Waldersee wurde 1913 Oberquartiermeister im Großen Generalstab in Berlin. Außerdem war er Mitglied der Kavallerie-Kommission. Er drängte gegenüber der Reichsregierung wiederholt auf einen Präventivkrieg gegen Russland und Frankreich, etwa in einem Memorandum vom Mai 1914. Nach Ansicht von Annika Mombauer stand er während der Julikrise in ständigem Kontakt mit dem deutschen Außenministerium, obwohl er dies zu Lebzeiten abgestritten hatte.
Als dann der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde Waldersee zu seiner großen Enttäuschung als Stabschef in der 8. Armee in den Osten versetzt. Nach dem Krieg äußerte er, dass sein Fachwissen, als jemand, der die Aufmarschpläne im Westen mitentwickelt habe, dort gefehlt habe.[3] Vermutlich war Waldersee aber auch wesentlich an Moltkes Entscheidung beteiligt, den Osten von Anfang an zu verteidigen, was im ursprünglichen Schlieffen-Plan eigentlich nicht vorgesehen war.[4] Nach der verlorenen Schlacht bei Gumbinnen wurde Waldersee bereits am 22. August 1914 zusammen mit seinem Chef Maximilian von Prittwitz und Gaffron entlassen. Später wurde er Gouverneur von Sewastopol und beendete den Krieg als Generalleutnant.
Waldersee war Rechtsritter des Johanniterordens.[5]
Familie: Waldersee war mit Elisabeth Bertha Marie Karoline Adolfine Auguste Freiin von Maltzahn (1864–1941), Tochter des Reichstagsabgeordneten Adolf von Plessen, Graf von Plessen, Majoratsherr auf Ivenack, und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene von Meyerinck.
Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor:
Edelgard Laura Elisabeth (* 16. Juli 1891; † 16. Oktober 1981)
? 1920 Gustav, Prinz von Schönaich-Carolath, ein Sohn des Schriftstellers Emil von Schoenaich-Carolath[6].
Magdalene Asta Pauline (* 9. Februar 1893; † 6. Mai 1945)
? 1913 Albrecht Freiherr von Maltzahn, Graf von Plessen, ihr direkter Cousin, gemeinsamer Selbstmord am 6. Mai 1945
Hermann Christlieb Matthäus Stein, seit 1913 von Stein, (* 13. September 1854 in Wedderstedt; † 26. Mai 1927 in Lehnin) war ein preußischer General der Artillerie und Kriegsminister.
Leben
Herkunft: Hermann war der Sohn des gleichnamigen Hermann Robert Stein (* 28. September 1822 in Ditfurt; † 3. April 1901 in Nöschenrode), Pfarrer zu Wedderstedt, und der Julie Friederike, geborene Meyer (* 12. Februar 1830 in Unseburg; † 7. März 1909 in Wernigerode).
Militärkarriere: Nach dem Abitur trat Stein 1873 als Avantageur in das Feldartillerie-Regiment „General-Feldzeugmeister“ (1. Brandenburgisches) Nr. 3 der Preußischen Armee ein und wurde 1875 Sekondeleutnant. Während des Besuchs der Kriegsakademie 1886 zum Premierleutnant befördert, wurde er 1888 zum Generalstab kommandiert, aber im folgenden Jahre mit vordatiertem Patent von diesem Kommando entbunden. Am 20. September 1890 wurde er Hauptmann im 1. Westfälischen Feldartillerie-Regiment Nr. 7 und 1894 in den Generalstab der 34. Division nach Metz versetzt. Am 30. Mai 1896 zum Major befördert, kam er in den Großen Generalstab nach Berlin. 1901 wurde er Kommandeur des 1. Lothringischen Feldartillerie-Regiments Nr. 33 und 1902 Oberstleutnant.
1903 als Leiter der Aufmarschabteilung in den Großen Generalstab versetzt, wurde er hier am 15. September 1905 zum Oberst befördert, 1908 mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Oberquartiermeisters beauftragt und 1910 unter Beförderung zum Generalmajor zum Oberquartiermeister sowie bald darauf auch zum Mitglied der Studienkommission der Kriegsakademie ernannt. Am 22. April 1912 wurde er Generalleutnant und am 13. September übernahm er das Kommando über die 41. Division in Deutsch-Eylau.
Am 16. Juni 1913 wurde Stein anlässlich des 25-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Wilhelm II. in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben.
Zu Kriegsbeginn fungierte er im August und September 1914 als Generalquartiermeister und war für das Verfassen des deutschen Heeresberichts verantwortlich. Anschließend war ab 14. September 1914 Kommandierender General des XIV. Reserve-Korps. Während des Wettlaufes zum Meer wurde sein Korps in den Raum Combles - Bapaume verlegt und der 2. Armee unterstellt. Während der Schlacht an der Somme lag sein Korps im Juli 1916 im Raum Thiepval im Brennpunkt der britischen Angriffe. Am 28. Oktober 1916 übergab er sein Korps an Generalleutnant Georg Fuchs. Vom 29. Oktober 1916 bis 9. Oktober 1918 fungierte er als preußischer Kriegsminister.
Familie
Stein heiratete am 5. Mai 1883 in Magdeburg Elise Julie Friederike, geborene Meyer (* 17. Juni 1861 in Seehausen; † 15. April 1890 in Wittenberg).
Ehrungen
15. Oktober 1914: Ehrendoktorwürde der Universität Halle-Wittenberg (Dr. phil. h. c.)
TRIXUM: Mobil-optimierte Auktionsvorlagen und Bilder-Hosting